Ev.-luth. Kirchengemeinde Timotheus-Hannover Waldheim/Waldhausen

Sozialer Stadtrundgang mit Asphalt

Mon, 30 Sep 2019 08:21:28 +0000 von Aus dem Gemeindebrief der Timotheusgemeinde

An einem sonnigen Freitagnachmittag Ende August haben sich 10 Gemeindemitglieder mit Verkäufer Hartmut der hannoverschen Straßenzeitung Asphalt auf den Weg gemacht, um in der Oststadt und rund um den Bahnhof besondere Orte kennenzulernen. Das sind die Stellen,  an denen Obdachlose und Wohnsitzlose sich aufhalten können und gegen geringes Entgelt bekommen, was sie dringend brauchen: Essen und Trinken, etwas zum Anziehen, Möglichkeiten zur Körperpflege und zum Wäschewaschen. Soziale Einrichtungen staatlicher, kirchlicher oder privater Träger leisten ihre Hilfe in Bunkern, Containern, aber auch in Häusern und Wohnungen, die im Bild des Stadtteils nicht auffallen. In der „Szene“ spricht sich herum, wo es was gibt, erzählt uns Verkäufer Hartmut. Er kritisiert, dass fast alle Kaffeestuben und Essensausgaben an den Wochenenden geschlossen sind. Er selbst, so berichtet er bereitwillig, habe in einer der Einrichtungen jemanden gefunden, der ihm zugehört und ihm durch intensive Gespräche sowie die Vermittlung zu Asphalt aus seiner spielsuchtbedingten Lebenskrise herausgeholfen habe. Es fällt schwer, als hilfswilliger Betrachter der „Szene“ gleichsam unbeteiligt an denen vorbeizugehen, die inmitten von Bier- und Schnapsflaschen auf den breiten Treppen zum Raschplatz lagern oder diejenigen auf Abstand zu halten, die mit Körpereinsatz Geld für den nächsten „Schuß“ einfordern. Viele Fragen hat uns Hartmut beantworten können; noch mehr Fragen aber sind offen geblieben. Wie kann man den Ursachen von Wohnsitz- und Obdachlosigkeit wirkungsvoll begegnen? Kann den Suchtkranken geholfen werden? Und: wie mag es den Menschen nach dem Sommer gehen, wenn Nässe und Kälte das Leben auf der Straße zur ernsten Gesundheitsgefahr werden lassen?
Sigrid Pokropp-Aring
Quelle: krasznaivmagdolna_Pixabay.com